SALTO: Frau Oberhammer, vor mehr als 70 Jahren konnten Frauen zum ersten Mal in Italien wählen. Wie hat sich die Frauenbewegung seitdem verändert?
Ulrike Oberhammer: Wie auch der internationale Erfolg des italienischen Films „C'è ancora domani“ von Paola Cortellesi zeigt, erkennen sich viele in der Filmgeschichte wieder. Darin geht es genau um das Referendum im Jahr 1946, als Frauen in Italien für das Wahlrecht gekämpft haben. Im Vergleich zu den letzten EU-Wahlen sieht man, dass nicht einmal die Hälfte der Bevölkerung wählen geht und auch viele Frauen nicht wählen gehen. Das erschüttert mich. Nur, wenn ich wählen gehe, kann ich mitbestimmen.
Ist die aktuelle Entwicklung also ein Rückschritt?
Wir haben gerade in der Corona-Pandemie gesehen, dass wir eine Rolle rückwärts gemacht haben. Die Frauen mussten daheim bleiben und auf die Kinder schauen. Wenn es nur einen Computer zuhause gab, waren es die Frauen, die nachts oder am Wochenende arbeiteten, weil die Arbeit vom Mann vorgegangen ist. Frauen haben den Laden am Laufen gehalten, nicht nur zu Hause, um die essentiellen Dienste garantieren zu können. Wenn wir also die Frauenrechte ausbauen wollen, brauchen wir Frauen in den Schlüsselpositionen. Frauen müssen sich in diesen Gremien nicht nur auf gewisse Themen fokussieren, sondern gerade bei finanziellen Fragen auch strategische Entscheidungen treffen können.
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