Literatur
Gestern eröffnete eine Ausstellung, die das literarische Veranstaltungsangebot des Südtiroler Kulturinstituts (SKI) über den Zeitraum von 70 Jahren zeigt. Wort um Wort.

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„Ich saz ûf eime steine und dahte bein mit beine: dar ûf satzt ich den ellenbogen: ich hete in mîne hant gesmogen daz kinne und ein mîn wange [...]“ Dieser Sager von Walther von der Vogelweide ist ohne Zweifel Literaturgeschichte. Zweifel bestehen allerdings über seine Herkunftsgegend im Eisacktal. Viele Ungereimtheiten zum mittelalterlichen Reimer begleiten die Literaturgeschichte seit Jahrhunderten. 

Walther am Waltherhaus: Der Künstler Heiner Gschwendt entwarf die "Kunst am Bau" am Waltherhaus. Foto: SALTO

Literatur und sieben Jahrzehnte Südtiroler Kulturgeschichte werden seit gestern im Waltherhaus in Bozen präsentiert, wo Walther von der Vogelweide seit der Eröffnung des Hauses 1967 melancholisch – und der sprichwörtlichen Hand in Kinn und Wange – von der Fassade schaut. Der alte Dichter begrüßt auch am Eingang der am gestrigen Abend eröffneten Literaturausstellung, die das Südtiroler Kulturinstitut (SKI) zum 70jährigen Bestehen vorbereitet hat. Kuratiert von Christine Vescoli und gestaltet von Peter Karlhuber führt ihr Weg in die Vergangenheit, über eine große Null und eine große Sieben zu den verschiedenen Stationen, die die Literaturgeschichte plakativ (im wahrsten Sinne des Wortes) nacherzählen. Plakate aus den verschiedenen Jahrzehnten dienen beim Rundgang als Blickfang und sind immer wieder Hingucker, die von der Gegenwart eintauchend und im jeweiligen Jahrzehnt auftauchend, die Geschichten zeitnah erlebbar machen. Im Zentrum der literarische Umschwung, mit N.C. Kaser, seiner Brixner Rede und seiner Lyrik.
 

Popkultur und liberales, linkes Gedankengut schwemmten an Land und stellten die Gesellschaft vor neue Herausforderungen

Literarische Anfänge im Kulturinstitut: Hochschulwochen und literarische Gedenkabende Foto: SALTO

„Nach der massiven, zwei Jahrzehnte währenden Unterdrückung der deutschen und  ladinischen Bevölkerung durch das faschistische Regime herrschte in Südtirol kulturelle Steppe“, steht in einem einleitenden Text zur SKI-Geburtsstunde am 18. Februar 1954. Ab diesem Zeitpunkt kam es vor allem über den tatkräftigen Einsatz des späteren Kulturlandesrats Anton Zelger zum Aufbau von Bibliotheken in Stadt und Land, zur Abwicklung der Anerkennung von im Ausland erworbener Studientitel oder zum Aufbau des Schul- und Musikschulwesens durch die Ausbildung  von Lehrern und Lehrerinnen. Und natürlich zu vielen Gastspielen und Konzerten. 
Von Beginn an waren die Meraner Hochschulwochen das wichtige Aushängeschild des SKI. Von der Südtiroler Hochschülerschaft mitorganisiert, fanden sie 1969 ein letztes Mal statt, nachdem sich das konservative Kulturinstitut und die immer alternativer agierenden Studierenden ab den 68er Jahren in die Quere gekommen waren. 

Blumenschmuck: Preisträger*innen des Waltherpreises als Liste und exemplarisch mit zwei historischen Publikumsaufnahmen. Foto: SALTO

„Der Geist von 1968 erschütterte Südtirol nicht in seinen Grundfesten, trug aber zu  einem allmählichen Wandel der Gesellschaft und Kultur bei“, heißt es in der Ausstellung. Und weiter: „Popkultur und liberales, linkes Gedankengut schwemmten an Land und stellten die Gesellschaft vor neue Herausforderungen.“ Dafür würden Namen wie N.C. Kaser, Joseph Zoderer, Claus Gatterer, Anita  Pichler oder Gerhard Kofler Pate stehen. Eventuell auch Franz Tumler, der 1985 als einer der wenigen Südtiroler Literat*innen den Walther von der Vogelweidepreis überreicht bekam. 
Während sich in Südtirol ab den 1970er Jahren und mit dem 2. Autonomiestatut vieles änderte, blieb das Südtiroler Kulturinstitut zunächst seiner „konservativen Ausrichtung treu, scheute jedoch auch vor dezidiert zeitgenössischer Literatur nicht zurück“, schreibt Christine Vescoli. Doch der „gesellschaftliche Aufbruch“, die  „gefestigte Autonomie und der wachsende Wohlstand“, ließen schon bald, so Vescoli weiter, „ideologische Grenzen mehr und mehr obsolet werden.“ 

Leuchtende Schriftzüge: "Nicht Heimat ist Sprache..." Plakate und plakative Zitate zum Thema. Foto: SALTO

Mittlerweile konnte sich die zeitgenössische Literatur über die Bücherwelten, die zahlreichen Lesungen, die Sprachstelle und das JUgendKInderBUchZentrum, die Diskussionen und Preisverleihungen einen festen Platz im Gefüge des siebzig Jahre alten Instituts ergattern. Der „finale“ literarische Satz „Was bleibet aber, stiften die Dichter“ (Hölderlin) und die Dichterinnen, wird den Besucherinnen und Besuchern am Anfang des Rundgangs mit auf den Weg gegeben. Oder als Andenken beim Verlassen der Ausstellung.
Im Spätherbst folgt eine Ausstellung zur Bildenden Kunst und 70 Jahren SKI. Vielleicht auch mit jenen Arbeiten, die in den 1970er Jahren abgehängt werden mussten. Beispielsweise das Panzerplakat des früh verstorbenen Künstlers Christian Pardeller mit der Aufschrift Mit Pressemonopol und verfälschten Tatsachen gegen fortschrittliche Schüler. Es hat dem einstigen Athesia-Journalisten und Heimatkundler Josef Rampold derart missfallen, dass es mit weiteren Arbeiten abgehängt werden musste. 

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Hartmuth Staffler Dom, 09/15/2024 - 08:25

In risposta a di △rtim post

Herta Müller gibt das Zitat ganz anders wieder, nämlich: „Und im Grunde ist meine Heimat nicht die Sprache, wie für die meisten Schriftsteller, sondern das, was gesprochen wird.“ So ist es sprachlich richtig und ergibt einen Sinn. Der Spanier Semprún, der auf Französisch schrieb, hat ja schon als Kind Deutsch gelernt und auch perfekt beherrscht.

Dom, 09/15/2024 - 08:25 Collegamento permanente

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