Verhältnismäßigkeit
Aus der rein ärztlichen oder virologischen Perspektive lässt sich kein objektiver Blick auf diese Krise gewinnen.
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Oberhofer Franz Mo., 20.04.2020 - 16:00

Diese interdiszipläre Sichtweise auf die Krise, sehe ich mittlerweile auch dringend notwendig und wünschenswert. Es sind mittlerweile auch viele andere Parteien in diese Krise involviert. Daher ist dieser Beitrag wichtig, gerade jetzt. Danke dafür.
PS.: Herr Widmann ich dachte ja, Sie hätten sich nach Ihrem ersten Artikel auf Salto.bz, von hier verabschiedet. Ich bin froh, dass es nicht so ist.

Mo., 20.04.2020 - 16:00 Permalink
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Karl Gudauner Mo., 20.04.2020 - 19:22

Koordinierung und Interessenausgleich sind komplexe und herausfordernde Aufgaben für die Politik. Das Problem aus der Sicht der Allgemeinheit ist, dass gerade in Ländern mit populistischen Parteien in der Regierungsverantwortung die politischen Führungskräfte zumindest teilweise nicht über die notwendige Ausbildung in Fachbereichen und die Führungskompetenzen verfügen, um diesen Aufgaben gerecht zu werden. Häufig werden politische Reformen und Maßnahmen durchgeboxt, die nicht dem Allgemeininteresse entsprechen und anstatt eine valide Entwicklungsperspektive zu eröffnen irgendwelche Partikularinteressen bedienen. Dabei setzen sich politische Entscheidungsträger allzu gern und mit arroganter Berufung auf den WählerInnenauftrag über die Ratschläge von Fachleuten und die Evidenz von Statistiken hinweg. Die Politik ist auf die Expertise von Fachleuten angewiesen. Deshalb ist es nicht angebracht, diese beiden Akteure gegeneinander auszuspielen. Es braucht eine konstruktive Zusammenarbeit im Interesse des Allgemeinwohls. Zur Wiederherstellung des Vertrauens der Bevölkerung in die Politik ist mehr Transparenz in den Prozess der Meinungsbildung zu bringen. Für die Bürgerinnen und Bürger sind die Ziele, Lösungsoptionen und Argumente nachvollziehbar zu machen, die der politischen Entscheidung vorausgehen.

Mo., 20.04.2020 - 19:22 Permalink
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Peter Gasser Mo., 20.04.2020 - 20:07

Im Beitrag steht:
" Der Fachspezialist, zu dessen Zunft zweifellos auch Mediziner und Virologen gehören, sieht das Leid, das Corona in den Krankenhäusern anrichtet. Er sieht die Sterbenden und Kranken – und das schmerzt. Ironischerweise ist es gerade deshalb wichtig, nun nicht mehr Virologen und Ärzten den Führungsstab zu überlassen. Denn aus der rein ärztlichen oder virologischen Perspektive lässt sich kein objektiver Blick auf diese Krise gewinnen. Der medizinisch-wissenschaftliche Mikrokosmos, in dem Ärzte, Virologen und Immunologen verkehren, führt zwangsläufig zu einer monodimensionalen Sicht auf diese Krise. Freilich ist das nicht ihre Schuld, sondern es ist nur allzu natürlich":
Es ist davon auszugehen, dass Sie sich nicht informiert haben, wie interdisziplinär die Beraterstäbe von z.B. Merkel, Kurz, Macron, Conte zusammengesetzt sind, oder beispielhaft der deutsche Ethikrat oder die Leopoldiana. Dies zeigt, dass Ihr Beitrag nicht der Realität folgt, sondern polarisieren will zwischen hier Medizin und dort Ökonomie.
Was sagt eine der bedeutendsten Politikerinnen (nicht Virologin) gerade jetzt:

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/coronavirus-angela-merkel-wa…

zudem:

https://www.spiegel.de/politik/corona-und-wege-aus-dem-lockdown-wir-bra…

Ich habe auch einige konkrete Fragen, da der Autor ja im Ressort Gesundheit arbeitet:
1. Ist Südtirol bereits im Containment, oder immer noch in der Mitigation?
2. Sind genügend Ressourcen und Tests vorhanden, um jedem Infektionsfall nachzugehen, und alle Kontaktpersonen nachzuverfolgen?
Man liest dazu nirgends etwas: über Transparenz und Information bin ich dankbar.

Zudem sei bemerkt, dass die Politiker großteils diese Katastrophe mitverursacht haben, daher liegt das Vertrauen doch stärker bei den Wissenschaftlern:

https://www.brennerbasisdemokratie.eu/?p=55426

Mo., 20.04.2020 - 20:07 Permalink
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Peter Gasser Mo., 20.04.2020 - 22:30

Ich möchte auch kurz den letzten Satz von Philosoph Giorgio Agamben aufnehmen:
Giorgio Agamben konnte letzthin seine Befriedigung darüber kaum unterdrücken, seine *lang vertretene Theorie des Ausnahmezustands* seiner Meinung nach bestätigt zu sehen.
Weiters fand ich: „Auch in anderen Beiträgen versteigt sich Agamben in allerhand gewagte Thesen wie diejenige, die Notstandsmaßnahmen seien “völlig unbegründet„ ((das sind sie natürlich nicht)). Ungeachtet all der zwischenmenschlichen Solidarität, die wir in der Krise aufleben sehen, behauptet Agamben, unsere Gesellschaft glaube an nichts mehr außer an das “nackte Leben", und prophezeit, der Ausnahmezustand werde auch nach der Epidemie fortdauern ((das wird er natürlich nicht)).
Dem unvermeidlichen Slavoj Zizek gelang eine in Teilen erfreuliche Antwort, in der er darauf verweist, dass das Virus keine von Politikern zu­ ­Zwecken der Machterweiterung erdachte Konstruktion ist. Kommentatoren wie Agamben „blenden den Realitätsgehalt der Gefahr“ vollständig aus, so der slowenische Philosoph. Ein angesichts der gängigen, auch von Agamben vertretenen Verharmlosung, die Covid-19-Pandemie wäre einer normalen Grippewelle vergleichbar, durchaus notwendiger Hinweis".

Mo., 20.04.2020 - 22:30 Permalink
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Oberhofer Franz Di., 21.04.2020 - 08:17

Antwort auf von Peter Gasser

Mh, ich denke der Autor schreibt diesen Beitrag in Anbetracht der Gefahr einer möglichen zweiten Welle, was ja mit den Lockerungen durchaus passieren könnte. Und dann ist es eben wichtig, nicht mehr zu sehr nur auf die Mediziner zu hören, sondern auch die anderen Interessen der Gesellschaft im Blick zu haben. Leopoldiana ist sicher ein guter Ansatz wie ich finde, das könnten wir hier auch gebrauchen.

Di., 21.04.2020 - 08:17 Permalink
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Peter Gasser Di., 21.04.2020 - 09:41

Das mit dem „destruktiven Potenzial einer kollektiven gesellschaftlichen Mentalität“ sehe ich auch so, und ist (leider) mit schrecklichen Beispielen verbunden. Man denke nur an die Judenverfolgungen (Brunnenvergifter) und Frauenverbrennungen (Hexen) aus „kollektiver gesellschaftlicher Mentalität“ heraus in früheren Zeiten von Seuche und Gefahr.
Aus naturwissenschaftlicher Sicht sehe ich den Weg bei uns jetzt etwas leichtfertig, da es keine Transparenz gibt, wo wir uns gerade seuchenmäßig befinden. Bei manchem Politiker hört es sich so an, als sei alles längst vorbei - und das kann eine völlig falsche Erwartungshaltung in der Bevölkerung schaffen, welche dann zu Frust und in der Folge zu „destruktivem Potenzial einer kollektiven gesellschaftlichen Mentalität“ führen kann und führen wird.
Wirklichkeit aber ist:
das Virus ist da;
das Virus lauert und wird erbarmungslos explodieren, wenn wir weiterhin Fehler machen;
Zum Philosophisch-Ethischen, Herr Widmann (ich bin nur an informativer Diskussion interessiert, sollte ich „offensiv“ geklungen haben, sehen Sie mir das nach, es war dann wohl in einem Augenblick des Entsetzens), finde ich, dass es den Wert einer Gesellschaft ausmacht, wie diese mit den Armen, Kranken und NOTleidenden umgeht. Kultur bedeutet doch, sich um den Nächsten zu kümmern, und n i c h t, diesen zu opfern, ganz gleich für welchen Vorteil auch immer.
Das stehen wir zusammen durch, wir schaffen das (und ich gebrauche dieses Schlagwort jetzt ganz bewusst) - und wenn dadurch Schwächen, Fehler, Fehlentwicklungen sichtbar werden, dann wissen wir, was wir in Zukunft ändern müssen.

Di., 21.04.2020 - 09:41 Permalink
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Klaus Griesser Di., 21.04.2020 - 09:43

Egal was passieren wird: das Virus ist naturwissenschaftlich einfach zu berechnen, letzten Endes wird ein Impfstoff entscheiden, ob es gebändigt wird. Dieser Winzling zeigt die Zerbrechlichkeit dieses herrschenden Wirtschaftssystems, daran werden die Staatsmänner - schon gar nicht mit klassischen Regeln - nichts Wesentliches ändern können. Unsere Staatsmänner haben uns dieses Wirtschaftssystem schön präsentiert, jetzt erleben wir ein Desaster. Wir Menschen werden locker & selbständig denken und sie überreden müssen, es gründlich zu ändern. Und zwar solidarisch, mit dem Ziel des Gemeinwohls und nicht dem des individuellen Reichtums einer Elite.

Di., 21.04.2020 - 09:43 Permalink
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Peter Gasser Di., 21.04.2020 - 09:53

Ich sehe dies so, dass die 2. Welle eine unverrückbare Tatsache ist.
Es liegt aber an uns, wie drastisch oder wie leicht diese ausfallen wird.
Öffnen wir in der Phase der Mitigation, wird die folgende Welle drastisch ausfallen und der nachfolgende Frust wird groß sein;
warten wir die Phase des Containments ab und sichern die notwendigen Begleitmaßnahmen, wird der Erfolg des bisherigen lockdowns nachhaltiger sein.
Angesichts dessen, was in Gröden geschieht, erscheint es eher nicht so, dass wir diese Geduld aufzubringen vermögen.

Di., 21.04.2020 - 09:53 Permalink
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Profil für Benutzer Christoph Wallnöfer
Christoph Wallnöfer Mi., 22.04.2020 - 22:35

Valentin Widmann schreibt in seinem Beitrag: „Dass man sich als Staatführung zu Beginn der Krise stark auf die Expertise von Wissenschaftskoryphäen verlassen musste, ist nur allzu verständlich.“

Dafür habe ich Verständnis. Dass aber die Expertisen und Emphehlungen dieser Wissenschaftskoryphäen nie kritisch hinterfragt wurden, dass unsere Führungen in Rom und Bozen offensichtlich nicht einen einzigen Gedanken daran verschwendet haben, dass diese wenigen Koryphäen vielleicht auch (teilweise) falsch liegen könnten, zeugt von großer Fahrlässigkeit und wenig Verantwortungsbewußtsein.

Haben wir irgendwann einmal davon gehört, dass die Theorien und Empfehlungen der verschiedenen „Covid Task Forces“ durch externe Fachleute kritisch überprüft wurden, und zwar im Auftrag der Regierung? Bei so einschneidenden Maßnahmen darf ich mich doch nicht auf ein paar wenige Experten verlassen!

Einen Überblick, wie viel Kritik mittlerweile von ebenfalls renommierten (Medizin)Wissenschaftlern SEIT WOCHEN geübt wird, aber leider kaum wahrgenommen wird, findet sich hier:
Weltweite Warnungen - International kritisieren Wissenschaftler, Ärzte, Juristen und andere Experten den Umgang der Regierungen mit dem Coronavirus.

Mi., 22.04.2020 - 22:35 Permalink

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