Interview
Schonungslos legt der Historiker Hans Heiss den Finger in die Wunde, durchleuchtet die aktuelle Krise – und sagt: “Vielfach wird kein Stein auf dem anderen bleiben.”

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Martin Daniel Fr., 27.03.2020 - 08:57

Könnte die aktuelle, einschneidende Einschränkung der Grundfreiheiten nicht auch dazu führen, dass diese von der Gesellschaft wieder bewusster wahrgenommen und wertgeschätzt werden? Dasselbe kann für die Teilnahme an Wahlen und Referenden gelten, die verschoben werden mussten. (Eine nicht zu überschreitende Schwelle sollte allerdings die Geolokalisierung von Personen darstellen. Ein solches Kontrollinstrument könnte manchen staatlichen Behörden in der Tat auch später genehm bleiben).
Ist es mit den Grundrechten nicht ein bisschen so wie mit den Errungenschaften des vereinten Europas, die als selbstverständlich vorausgesetzt werden und erst bei Grenzschließungen, Austritten und einer im Raum stehenden Rückkehr zu nationalen Währungen geschätzt werden?
Warum die Rolle der wissenschaftlichen Berater als Heilsbringer ansehen? Wenn wir die Menschheit auffordern, bei der drohenden Klimakatastrophe auf die Wissenschaft zu hören, vor Fake News und emotionalen Reaktionen warnen, dann sind der Rat und öffentliche Auftritt von renommierten Virologen, Immunologen und Infektiologen angezeigt. Dass nicht alle derselben Meinung sind und viele sich mit Prognosen zurückhalten, spricht für Pluralität und Seriösität der Experten und Entscheider, die sie zu Rate ziehen. Im Unterschied zu einem Bolsonaro, der Kraft seiner Allmacht die Lage für harmlos deklariert. Dass manche Medien solche Experten publikumswirksam pushen, scheint eher Teil des Showbusinesses denn der politischen Sphäre.

Fr., 27.03.2020 - 08:57 Permalink
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Klemens Riegler Fr., 27.03.2020 - 09:04

... das ist unser „Hans“ - abgeklärt, freidenkend, und nur ganz sanft mit seinem Finger die Wunde berührend. Positives heraushebend und Negatives nur leicht aufzeigend, nie anklagend ... einfach über den Dingen stehend. Blues in Bauch und Kopf eben.
Danke Dir Hans!

Fr., 27.03.2020 - 09:04 Permalink
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SALTO Communit… Fr., 27.03.2020 - 10:22

Geehrtes Community-Mitglied. In diesem Beitrag geht es nicht um Hamsterkäufe. Ihr Kommentar ist off topic, genauso wie etliche weitere Ihrer Kommentare in den letzten Tagen.

Wir möchten vermeiden, dass in der Community der Eindruck ensteht, es ginge Ihnen nicht um konstruktive Teilnahme an der Debatte, sondern primär um kontinuirliche Stimmungsmache. Wir danken für Ihre Mithilfe dazu.

Salto Community Management

Fr., 27.03.2020 - 10:22 Permalink
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alfred frei Fr., 27.03.2020 - 11:38

Könnte mir diesen Abschlußsatz von Oskar Lafontaine gut vorstellen: "die Gefahr ist groß, dass die Leute mit geringem oder durchschnittlichem Einkommen und kleine und mittlere Betriebe und Selbständige, die gerade so über die Runden kommen, wie schon in der Banken-Krise wieder die Zeche zahlen, und dass die verängstigte Bevölkerung schnell vergisst, wer Sozialabbau, Lohndrückerei, Rentenkürzungen, das Privatisieren und Kaputtsparen des Gesundheitssystems und die himmelschreiende Umverteilung von unten nach oben durch ein ungerechtes Steuersystem als „alternativlos“ durchgesetzt hat". Oder nicht ?

Fr., 27.03.2020 - 11:38 Permalink
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Hartmuth Staffler Fr., 27.03.2020 - 11:53

Für meine Begriffe hat Hans Heiss in seiner ansonsten hervorragenden Analyse gewisse Südtiroler Verantwortliche zu sehr geschont. Als das Robert-Koch-Institut Südtirol völlig zu Recht zur Risikozone erklärt hat, hat Handelskammerpräsident Ebner dagegen protestiert. Auch aus der Landesregierung kam geharnischter Protest. Jetzt erteilt Hans Heiss allen einen Persilschein.

Fr., 27.03.2020 - 11:53 Permalink
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Profil für Benutzer Christian Mair-2269
Christian Mair-2269 Fr., 27.03.2020 - 14:28

Konkret:

1. Ende der Bullshitjobs! Z.B.: Gemeindegrösse min. 25.000 Einwohner; Auflösung Bezirksgemeinschaft
2. Gemeingüter: Gesundheit, Bildung, Energie, Internet, Wasser, Energie
3. Offene Vorwahlen Parteien bei Landtag-und Gemeinderatswahlen
4. Je 5 durch die Parteien eingebrachte Plebiszite bei Landtags-und Gemeindewahlen
5. Bürgerhaushalt
6. Abzug Pensplan aus Finanzsystem und Investition in Realwirtschaft vor Ort
7. Neuorganisation Sanität mit Einbettung in EuregioTirol inkl. Zuständige Unis Ibk und Trient
8. Öffnung der Ausbildung/Facharztausbildungim Sanitätsbereich für Trientner und Nordtiroler
9. Landwirtschaft neu mit Ziel Ernährungssouverenität
10. Senken der Immobilienpreise durch Ende der Spekulation, Leerstandsabgabe, ..

Fr., 27.03.2020 - 14:28 Permalink
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Profil für Benutzer Bernd Karner
Bernd Karner Fr., 27.03.2020 - 16:40

Ich schließe mich dem Lob über Frau Gassers Interview mit Hans Heiss an. Ich teile auch dessen Sorge um die liberale Verfasstheit unserer Demokratien. Ja, die Gewöhnung an Unfreiheit verläuft oft schleichend und die Idee des totalen Überwachungsstaates (China) erhält coronabedingt Schützenhilfe. Gerade deshalb, weil makrosoziale Gegebenheiten und statistische Daten notwendige Hilfsmittel sind und eine Voraussetzung dafür darstellen der exponentiellen Eskalationslogik einer Pandemie wirksame Maßnahmen entgegenhalten zu können. Auf der anderen Seite führt jedoch jede Form der Vereinseitigung und Algorithmisierung zur Ausblendung anderer relevanter Faktoren. Die empirische Erfassung von Subjektivität, darf nicht ins Abseits unserer Achtsamkeit geraten: die Emotionen der Menschen, unsere Ängste und Sorgen, die Auswirkungen der Arbeitslosigkeit die Hans Heiss zu Recht erwähnt und der Umstand, dass die Ausgangssperre für viele Betroffene die Grenze der Belastbarkeit erreicht hat. Der Einsatz gegen die latente Einschränkung bürgerlicher Rechte benötigt als Hilfsquelle neue Perspektiven einer sozialwissenschaftlichen Subjekttheorie. Es bleibt zu hoffen, dass eine einseitige makrosoziale Dimension der Medizin, Soziologie und Psychologie nicht gesamtgesellschaftlich Überhand gewinnen möge und dadurch totalitären Auswüchsen Vorschub leisten könnte.

Fr., 27.03.2020 - 16:40 Permalink
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Profil für Benutzer Christian Mair-2269
Christian Mair-2269 Fr., 27.03.2020 - 18:30

Und noch was Konkretes:

Die Gemeinde kann in dieser Situation ur wichtigsten Instanz in der Organisation des Alltags der meisten Menschen werden.

Als historisches Besispiel könnte „das Wunder von Wörgl“ herangezogen werden. In den 30er Jahren versuchte der Bürgermeister Michael Unterguggenberger den Ausweg aus der Finanzkrise mit einer innnovativen Lösung. Dazu gibts einen Spielfilm von 2018. Hier eine Doku: https://www.youtube.com/watch?v=D20KG3GZitg

Auf die heutige Zeit umgesetzt, könnte man die Idee des BGE (bedingsloses Grundeinkommen) mit Schwundgeld in Form von Gutscheinen verbinden. So könnten man ideal Bedingungen wie lokale Anwendug, Horten und Ausschluss bestimmter Waren und Dienstleistungen verknüpfen.

Es kann zum jetzigen Zeitpukt nicht sein, dass Betriebe gefödert werde, deren Geschäftskonzept auf absehbare Zeit nicht funktioniert.
(Idee stammt nicht von mir, sondern von J.G.)

Fr., 27.03.2020 - 18:30 Permalink
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Gregor Beikircher Fr., 27.03.2020 - 19:45

Hans Heiss sagt: „Es ist die Stunde der starken Männer: Conte, Kurz und zum Teil Macron profilieren sich, mit Kanzlerin Merkel als Ausnahme in der Männer-Riege..........“ Aber sind diese auch „stark genug“ um zur richtigen Zeit und mit der rechten Entscheidung prompt und wirkungsvoll einzugreifen?
Sicher ist: Es braucht zu Zeiten des Eintrags und der unachtsamen Weitergabe solch massiver Krankheitserreger, wie es SARS-CoV-2 ist, neben entscheidungsstarken Männern und Frauen mit klaren Köpfen vor allem fähige, Heilung bringende (nicht Heilsbringer!) Akteure, Experten und Viren-Dompteure. Und viele dieser tun momentan auch das Möglichste in den Heilanstalten und Infektionszimmern und mühen sich bei großer Gefahr ab, um der drohenden Seuche Einhalt zu gebieten. Wenn ich aber beobachten konnte, wie lang, ja allzulange entscheidende Köpfe die Übertragungsherde bei uns in Südtirol noch wuchern und gewähren ließen, und ohne dass auch bestimmte „interne Experten“ davor warnten, so schwindet mein Vertrauen in diese. Erst bei Warnung von außen war die Reaktion dementsprechend. Wenn mancher Experte heutzutage noch häufig von „Leben und Überleben“ bzw. von „Abtöten“ des Virus spricht, anstatt von Überdauern oder von unschädlich machen, kommen mir Bedenken hoch. Das Virus ist doch kein Lebewesen, sondern ein an lebende Zellen übertragbarer, andockbarer Genkomplex, der eben sich dieser Wirtszellen bedient. Und das Virus ist auch noch viel, viel kleiner als eine Zelle und deshalb fast überall durchdringbar und viel schwieriger unschädlich zu machen, wann es erst in Zellen eingedrungen ist. Das möge man immer und überall bedenken.

Fr., 27.03.2020 - 19:45 Permalink
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Profil für Benutzer erich kofler fuchsberg
erich kofler f… Fr., 27.03.2020 - 20:31

Der Titel „Sicherheit rangiert vor Freiheit“ ist nicht die Meinung von Hans Heiss, sondern ein Befund, - deshalb irreführend und unzulässig gewählt. Auch nach meiner Überzeugung ist Freiheit das höchste Gut, nicht Sicherheit, nicht Sauberkeit, nicht Ordnung, nicht Gesundheit. Anderenfalls wäre ein Leben im Gefängnis die beste Wahl.

Fr., 27.03.2020 - 20:31 Permalink
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Profil für Benutzer erich kofler fuchsberg
erich kofler f… So., 29.03.2020 - 16:09

Antwort auf von Martin Daniel

Ich sagte, Freiheit ist das höchste Gut, nicht die höchste Priorität, zu Ungunsten alles anderen.
Nebenbei wäre da noch die eine oder andere Frage zu behandeln: zB. „Entweder wir töten das Virus, oder das Virus tötet uns“, diese schlüssige Erkenntnis habe ich nun schon oft gehört, auch von Virologen. Versuchen wir mal nachzudenken: Wenn das Virus von uns, also von unserem Immunsystem „getötet“ wird, ist sein Umlauf beendet. Tötet das Virus uns, stirbt es auch mit uns. Im toten menschlichen Körper hat das Virus keine Zukunft. Wozu also der ganze Aufwand?

So., 29.03.2020 - 16:09 Permalink
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Profil für Benutzer Hartmuth Staffler
Hartmuth Staffler Fr., 27.03.2020 - 22:23

Mich verwundert, dass die von Hans Heiss de facto vorgenommene Freisprechung (beinahe schon Seligsprechung) der Verantwortlichen für das Corona-Desaster in Südtirol hier nicht thematisiert wird. Ich glaube dass man auch bei einer heiligen Kuh einmal einen falsch platzierten Kuhfladen erkennen darf.

Fr., 27.03.2020 - 22:23 Permalink
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Profil für Benutzer Peter Gasser
Peter Gasser Sa., 28.03.2020 - 10:38

Antwort auf von Albert Willeit

Umfassende und transparente Darstellung auch hier:
https://www.spiegel.de/politik/deutschland/coronavirus-auswege-aus-dem-…
.
Und: in Hubei ging es 4 Wochen nach oben, 1e Woche dauerte der Wendezeitraum, dann etwa 6 Wochen zurück, bis die Sperre aufgehoben wurde. Wir sind noch nicht oben.
Wer also von einer Lockerung der Maßnahmen im April spricht, ist unehrlich.
Hier sind Transparenz und Ehrlichkeit gefordert.

Sa., 28.03.2020 - 10:38 Permalink
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Profil für Benutzer Gregor Beikircher
Gregor Beikircher Sa., 28.03.2020 - 15:45

Antwort auf von Peter Gasser

Transparenz, Ehrlichkeit und das Wahrhaben von Verantwortlichkeit haben bei den politisch und wirtschaftlich Bestimmenden in den Belangen „Corona und Kontamination“ von allem Anfang an gefehlt. Oder waren es etwa auch Inkompetenz und Überheblichleit, dass uns so ein Winzling von SARS-CoV-2 in unseren hehren, (fort)entwickelten Ländern des Westens ohnehin wenig anhaben wird können?
Wir sind es ja von anderen Bereichen her gewohnt, dass kritisch und vernetzt denkende Menschen von denen nicht oder kaum gehört werden, wenn sie nicht dem „System“ untergeordnet sind. Erst wann ihnen beginnt die Sache über den Kopf zu wachsen, sollten jene, welche ohnehin schon weit über ihr Vermögen hinaus versuchen alles in den Griff zu bekommen, nun geradezu Wunder wirken. Dann werden sie gehört und eingesetzt.
Nachher werden uns wieder jene bestimmen, die uns schon bisher in verschiedene Sackgassen geführt haben, die sie aber niemals als solche gesehen haben oder sehen wollten.

Sa., 28.03.2020 - 15:45 Permalink

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