Online-Register
Stefan Raffeiner hatte sich mit seinem digitalen Klassenbuch einigen Ärger zugezogen. Drei Jahre später ist seine Entwicklung beliebter denn je. Und das Land schläft.

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Profil für Benutzer Julian Nikolaus Rensi
Julian Nikolau… Mo., 11.09.2017 - 17:33

Gut, der lahmen öffentlichen Verwaltung Faulheit, Untätigkeit oder Unfähigkeit vorzuwerfen, ist in. Die liebe Privatwirtschaft kann hingegen grundsätzlich alles besser. Wenn irgendwo der Begriff „Start-Up“ auftaucht, wäre Kritik sowieso höchst reaktionär, so weit so gut. Dennoch finde ich die Position des Schulamtes nachvollziehbar: eine einheitliche, langfristig funktionierende digitale Infrastruktur für ALLE Schulen zu schaffen, die gründlich durchdacht und geplant ist. Ich verstehe auch das Unbehagen des Landes (ich verwende jetzt mal diesen abstrakteren Terminus) zuzusehen, wie ein Externer ihm die „Show stielt“ - die Show wird nämlich nach Auffassung des Landes von eben diesem organisiert (und das steht ihm nunmal auch zu, die Schule ist - noch - der öffentlichen Sphäre zugeordnet) Je mehr aber an Dienstleistungen, Besorgungen, Innovationen usw. nicht mehr vom Schulamt, sondern von Außen kommen, desto mehr gerät dieses Primat ins Wanken. So auch mit dem digitalen Klassenregister.
Freilich wirft die zeitliche Verzögerung des öffentlichen Projekts (die aber gewiss nicht gewollt ist) berechtigte Fragen auf, auch die Zusammenarbeit zwischen der öffentlichen Hand und Herrn Raffeiner hätte besser ablaufen können. Das sehe ich auch so.

Mo., 11.09.2017 - 17:33 Permalink
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Profil für Benutzer pérvasion
pérvasion Mo., 11.09.2017 - 20:47

Antwort auf von Julian Nikolau…

Ich bin zwar auch ein 100%iger Befürworter der öffentlichen Schule — aber wo ist dann die Grenze? Muss das Schulamt auch die Schulbücher und Hefte selbst produzieren? Mir ist schon klar, dass das nicht dasselbe ist… aber ganz sicher bin ich mir nicht, dass das Land das Klassenregister unbedingt selbst entwickeln muss.

Mo., 11.09.2017 - 20:47 Permalink
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Profil für Benutzer Markus Gufler
Markus Gufler Di., 12.09.2017 - 00:14

Antwort auf von Julian Nikolau…

vielleicht zur Präzisierung: es geht hier nicht darum dass das Schulamt die Anwendung selbst produziert, sondern zunächst einmal nur darum die Anforderungen (Pflichtenheft) für eine Ausschreibung zu definieren. Das hat etwas länger gedauert als geplant. In der Zwischenzeit hatten mehrere Schulen, Lehrer und Eltern gefallen an dem gefunden, was der damalige Schüler sich ausgedacht und realisiert hatte. Um sich nicht „die Show“ stehlen zu lassen ging ein Schreiben an alle Direktoren, das in Bezug auf Startup-Kultur und Braindrain ein echt kolossaler Hammer gewesen ist. Dem könnte man nur noch eines oben drauf setzen, indem man die „gut durchdachten Anforderungen“ so hoch ansetzt, dass der Auftrag an ein externes Unternehmen vergeben werden muss. Oder indem man Praxis-orientierten Lehrern den Rat gibt: passt blos auf, dass eure Schüler nicht mit einem Projekt anfangen, dass jemanden in die Quere kommen könnte.
Es ist also auch die Frage ob man immer zuerst alles perfekt definieren und bis ins letzte Detail durchdenken will, um es dann von oben herab über alle Direktoren, Lehrer, Eltern und Schüler zu stülpen, oder ob man - in Fällen wie diesen -
einfach mal so mit einem MVP beginnt und das Unternehmen dann anhand der sich ergebenden Anforderungen zusammen mit dem Produkt wachsen lässt. Lokal, regional, logo sozusagen. (MVP „minimum viable product“ ist ein Begriff aus der Lean-Startup szene und wird u.A. auch an der UniBZ vermittelt)

Di., 12.09.2017 - 00:14 Permalink
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Profil für Benutzer △rtim post
△rtim post Di., 12.09.2017 - 11:41

Es ist ja mehr als verständlich, dass das Land mit all seinen Ressourcen sich nicht von einem privaten Anbieter abhängig machen möchte und nicht regelmäßig ständig für Rechte zahlen möchte.
Doch man fragt sich schon, wenn man liest: „Im ... Jahr (2010) nimmt ein Team von knapp 200 Personen die Arbeiten an dem einheitlichen Informationssystem für Südtirols Schulen auf.“, was diese 200 Leute in nunmehr sieben Jahren zu Stande gebracht haben. Eine entsprechende Ausbildung werden sie ja mitgebracht haben. Wer und wieso zahlt man derzeit dann die „Programme Raffeiners, die bereits an 15 Schulen verwendet werden“?

Di., 12.09.2017 - 11:41 Permalink
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Profil für Benutzer gorgias
gorgias Fr., 15.09.2017 - 01:04

Es ist nicht sinnvoll das Rad öfter zu erfinden. Wer sich den Föderalismus in Deutschland oder Österreich ansieht, sieht man das es oft in jedem Bundesland eine eigene Lösung zu irgend einem Problem gibt, die dann nicht miteinander kompatibel sind. So ist es in Deutschland fast unmöglich von einem Bundesland in ein anderes zu ziehen, wenn man schulpflichtige Kinder hat, weil diese kaum in das andere Schulsystem hineinpassen, weil die Stundenpläne so unterschiedlich sind.

Wenn wir a propos über autonomie in den Krankenhäusern sprechen, so hat sich in Südtirol in den alten Sanitätsbetrieben eine eigene Software durchgesetzt, die nicht miteinander kompatibel ist und nun technologische Altlasten mitgeschleppt werden und man es kaum schafft zusammenzufinden.

Die EU arbeitet nun besser bei Rüstungsausgaben zusammen. Die Waffengattungen wurden reduziert und man erwartet sich dadurch eine ersparnis von 25% bis 50 Prozent.

Oft setzt sich eine Technologie per Zufall durch obwohl sie einer anderen unterlegen ist. Oft sind technologien miteinander inkompatibel weil jeder Marktteilnehmer versucht seinen propietären Standard durchzusetzen. Keine ist dem anderen technich überlegen, nur anders. Wenn hier der Staat einen Standard verordnet kommt es zu erheblichn vorteilen. z.B. die Einführung von Micro-USB für Handyladegeräte macht es möglich Ladegeräte herstellerübergreifend zu gebrauchen.

Ich glaube du siehst die Dinge sehr einseiteig um eine gewisse Weltanschauung erhalten zu können.

Fr., 15.09.2017 - 01:04 Permalink

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