In Diskussionen über Alternativ- und Komplementärmedizin, kurz KAM, aber auch über Pseudowissenschaften, werden von den Befürwortern oft dieselben oder ähnlich klingende Argumente bemüht, die sich aber, bei näherer Betrachtungsweise, als nicht haltbar herausstellen. Was folgt, ist eine kleine Auswahl:
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dein Exkursus gefällt mir ausgesprochen gut! Dem habe ich eigentlich nicht viel hinzuzufügen.
Das Besondere an der Medizin sind eben genau die beschriebenen Kontext-Effekte, typisch für das komplizierte Lebewesen Mensch, das eben allein schon durch seine Fähigkeit zur Meinungsbildung und Selbstentscheidung einen (schwer nachweisbaren) Einfluss auf seine biologische Gesamtheit hat, von der Psyche ganz zu schweigen. Und so wird auch der Begriff „Gesundheit“ schwer definierbar.
Lass mich auf deine 3 Anmerkungen der Reihe nach eingehen:
add Studiendesign: Eine gute Studie sollte auch immer reproduzierbar sein, sprich eine andere Forschergruppe sollten anhand der veröffentlichten Daten und des Papiers die selben Messungen durchführen können und ein ähnliches oder vergleichbare Ergebnis finden. Je sauberer die Ursprungs-Studie war, im Sinne ihrer Methodik, desto sicherer kann ich mir des Ergebnisses sein; sprich: Der Fehlerbalken des Konfidenzintervalles (oder eben die Standardabweichung) wird kleiner, je besser die Studie ist.
add Geld: Geld, oder jedweder andere Interessenskonflikt, ist ein großes Problem. Das habe ich aber auch nie verneint. Man muss sich dieser impliziten Verzerrung bewusst sein. Wie du ja auch weißt, müssen die Forscher am Ende der Publikation auch ihre Interessenskonflikte kundtun (ob sie das auch machen, ist eine andere Frage). Dass eben gerade Pharmakonzerne (und auch KAM Hersteller, machen wir uns nichts vor) von ihren Aktionären zur Gewinnmaximierung geradezu verpflichtet werden ist tatsächlich eines der vielen Dinge, die es zu verbessern gilt. Thomas Pogge hat in seinem TEDx Talk eine interessante Alternative aufgezeigt. Siehe https://www.youtube.com/watch?v=rTMqGbTNkNg
Schließlich gibt es einige statistische Möglichkeiten, die alle nicht perfekt sind, um diese Verzerrungen zu korrigieren (siehe z.B. den Funnel Plot https://de.wikipedia.org/wiki/Funnel_plot).
add Falsifikation: Klar kann man in der Naturwissenschaften Hypothesen nur falsifizieren; habe ich ja auch oben so beschrieben. Wenn also zum aktuellen Zeitpunkt Medikament X besser ist als Y, aber irgendwann ein Medikament Z gefunden und getestet wird, welches sich als besser als X herausstellt, so spricht ja nichts dagegen Z statt X zu empfehlen. Aber wir sollten nicht damit argumentieren, dass wir wohl besser nicht X einnehmen sollten, weil irgendwann vielleicht einmal Z gefunden werden könnte, welches viel besser sein könnte als X. Meiner Meinung nach können und sollten wir uns immer am aktuellen und bestmöglichen Kenntnisstand orientieren.
Ich glaube du wirfst zu viele Zutaten in den Suppentopf „Wissenschaft“ :)
Wenn also die Erkenntnis gewonnen wird, dass X die Lebensdauer um 8 Tage verlängert und Y um 12, dann ist hier die wissenschaftliche Methode am Ende ihrer Untersuchung angelangt. Alles, was danach kommt (Lobbyarbeit, PR, Marketing, Gesetzeslage etc.) ist ein anderes Paar Schuhe, die ihre eigenen Probleme haben, die es (korrekterweise) anzusprechen gilt. Aber diese haben nichts per se mit einer naturwissenschaftlichen Methode zu tun. (Kann aber verstehen, warum manche Menschen dies so wahrnehmen könnten).
Du oder ich können uns nie zu 100% sicher sein ob bei Studien getrickst wurde. Aber dies ist, IMO, kein schlagendes Argument gegen die naturwissenschaftliche Methode, denn: Bescheißen kann man nicht nur mittels Studien, sondern auch über viele andere Wege. Bei der Studie hast du, zumindest in der Theorie, die Möglichkeit sie selbst zu reproduzieren und die Hypothesen zu testen.
Lass mich diesen Aspekt anders beleuchten: Anhand welcher Grundlage oder Erkenntnisse entscheidest du schlussendlich als Arzt, welche Behandlung/Therapie/Medikament am besten eingesetzt werden sollte?
Die Zeit„ (Print) hat diese Woche “Die gekaufte Wissenschaft„ zum (Titel-)Thema gemacht: “Gekaufte Experten: Unternehmen bestellen Studien, bezahlen Professoren und finanzieren ganze Institute. Wie unabhängig ist die deutsche Forschung?". Hab mir nur gedacht, dass es euch vielleicht interessieren könnte :-)
Super!
dein Exkursus gefällt mir ausgesprochen gut! Dem habe ich eigentlich nicht viel hinzuzufügen.
Das Besondere an der Medizin sind eben genau die beschriebenen Kontext-Effekte, typisch für das komplizierte Lebewesen Mensch, das eben allein schon durch seine Fähigkeit zur Meinungsbildung und Selbstentscheidung einen (schwer nachweisbaren) Einfluss auf seine biologische Gesamtheit hat, von der Psyche ganz zu schweigen. Und so wird auch der Begriff „Gesundheit“ schwer definierbar.
Lass mich auf deine 3
Lass mich auf deine 3 Anmerkungen der Reihe nach eingehen:
add Studiendesign: Eine gute Studie sollte auch immer reproduzierbar sein, sprich eine andere Forschergruppe sollten anhand der veröffentlichten Daten und des Papiers die selben Messungen durchführen können und ein ähnliches oder vergleichbare Ergebnis finden. Je sauberer die Ursprungs-Studie war, im Sinne ihrer Methodik, desto sicherer kann ich mir des Ergebnisses sein; sprich: Der Fehlerbalken des Konfidenzintervalles (oder eben die Standardabweichung) wird kleiner, je besser die Studie ist.
add Geld: Geld, oder jedweder andere Interessenskonflikt, ist ein großes Problem. Das habe ich aber auch nie verneint. Man muss sich dieser impliziten Verzerrung bewusst sein. Wie du ja auch weißt, müssen die Forscher am Ende der Publikation auch ihre Interessenskonflikte kundtun (ob sie das auch machen, ist eine andere Frage). Dass eben gerade Pharmakonzerne (und auch KAM Hersteller, machen wir uns nichts vor) von ihren Aktionären zur Gewinnmaximierung geradezu verpflichtet werden ist tatsächlich eines der vielen Dinge, die es zu verbessern gilt. Thomas Pogge hat in seinem TEDx Talk eine interessante Alternative aufgezeigt. Siehe https://www.youtube.com/watch?v=rTMqGbTNkNg
Schließlich gibt es einige statistische Möglichkeiten, die alle nicht perfekt sind, um diese Verzerrungen zu korrigieren (siehe z.B. den Funnel Plot https://de.wikipedia.org/wiki/Funnel_plot).
add Falsifikation: Klar kann man in der Naturwissenschaften Hypothesen nur falsifizieren; habe ich ja auch oben so beschrieben. Wenn also zum aktuellen Zeitpunkt Medikament X besser ist als Y, aber irgendwann ein Medikament Z gefunden und getestet wird, welches sich als besser als X herausstellt, so spricht ja nichts dagegen Z statt X zu empfehlen. Aber wir sollten nicht damit argumentieren, dass wir wohl besser nicht X einnehmen sollten, weil irgendwann vielleicht einmal Z gefunden werden könnte, welches viel besser sein könnte als X. Meiner Meinung nach können und sollten wir uns immer am aktuellen und bestmöglichen Kenntnisstand orientieren.
Ich glaube du wirfst zu viele
Ich glaube du wirfst zu viele Zutaten in den Suppentopf „Wissenschaft“ :)
Wenn also die Erkenntnis gewonnen wird, dass X die Lebensdauer um 8 Tage verlängert und Y um 12, dann ist hier die wissenschaftliche Methode am Ende ihrer Untersuchung angelangt. Alles, was danach kommt (Lobbyarbeit, PR, Marketing, Gesetzeslage etc.) ist ein anderes Paar Schuhe, die ihre eigenen Probleme haben, die es (korrekterweise) anzusprechen gilt. Aber diese haben nichts per se mit einer naturwissenschaftlichen Methode zu tun. (Kann aber verstehen, warum manche Menschen dies so wahrnehmen könnten).
Du oder ich können uns nie zu 100% sicher sein ob bei Studien getrickst wurde. Aber dies ist, IMO, kein schlagendes Argument gegen die naturwissenschaftliche Methode, denn: Bescheißen kann man nicht nur mittels Studien, sondern auch über viele andere Wege. Bei der Studie hast du, zumindest in der Theorie, die Möglichkeit sie selbst zu reproduzieren und die Hypothesen zu testen.
Lass mich diesen Aspekt anders beleuchten: Anhand welcher Grundlage oder Erkenntnisse entscheidest du schlussendlich als Arzt, welche Behandlung/Therapie/Medikament am besten eingesetzt werden sollte?
Die gekaufte Wissenschaft
Die Zeit„ (Print) hat diese Woche “Die gekaufte Wissenschaft„ zum (Titel-)Thema gemacht: “Gekaufte Experten: Unternehmen bestellen Studien, bezahlen Professoren und finanzieren ganze Institute. Wie unabhängig ist die deutsche Forschung?". Hab mir nur gedacht, dass es euch vielleicht interessieren könnte :-)