Interview
Gerhard Tarmann erklärt, was verschwundene Schmetterlinge in Südtirol mit einem System, das immer mehr will, zu tun haben. Und was ihn als Forscher an Mals begeistert.

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Karl Maier Fr., 30.11.2018 - 09:43

Sehr geehrte Damen und Herren,

dieser Artikel weist auf einige interessante Aspekte bezüglich des Auftretens von Widderchen hin. Die Veränderungen des quantitativen Vorkommens der Widderchen kann nicht geleugnet werden. Die Gründe für diese Veränderung können sicherlich nicht nur monokausal dem Pflanzenschutz zugeschrieben werden. „[…]fest überzeugt, dass das einfach mit diesen Kontaminationen zusammenhängt (G. Tarmann)“, allein diese in dieser Aussage geht Herr Tarmann über seine wissenschaftliche Kompetenz hinaus, in der er das Interview abgibt. Eine Vermutung ist keine wissenschaftliche Überzeugung, daher sollte man auch keine solche Aussagen treffen, wenn man nicht explizit in diesem Bereich eine Forschung eingerichtet hat. Verwiesen sei hierbei auf Univ. Prof Dr. Karl Crailsheim von der Karl-Franzens- Universität Graz der sich jahrelang intensiv mit der Biene und dem Bienenverlust in Österreich auseinandergesetzt hat. Sicherlich scheint den vielen Lesern von salto.bz, der einzig Schuldige am Bienensterben die Landwirtschaft zu sein. Prof. Crailsheim konnte in seine Forschungen jedoch belegen, dass das Bienensterben in einem multifaktoriellen Zusammenhang steht, unter anderem abhängig vom Wetter, Ernährung, Krankheiten, Agro-chemikalien, Parasiten und Stockpflege ist. Ich glaube, dass die „Gifte“ im Obstbau einer von vielen Gründen für das Verschwinden darstellen können. Aber man darf nicht vergessen, dass sich die landwirtschaftliche Praxis in allen Bereichen geändert hat. Auch in der Grünlandwirtschaft wird aufgrund des höheren Energiegehaltes der Versuch unternommen öfter im Jahr zu mähen. Ohne das Abblühen der Pflanzen und der Einsatz von rotierenden Mähwerken schmälert sicher auch die Insektenpopulation zu einem erheblichen Teil.
Insektizide werden sowohl im intergierten als auch im biologischen Anbau verwendet, daher kann man keinen Obstbau im heutigen Sinne mehr betreiben und den Bauern würde eine Subsistenzlandwirtschaft vorgeschrieben, bzw. es würden nur mehr einige wenige sehr große Betrieb übrig bleiben die sehr extensiv Wirtschaften.
Noch ein kurzes Wort zum „Zerstören von Biodiversität“. Betrachtet man den Verlust an Biodiversität bezogen auf die FLÄCHE so ergibt sich im konventionellen Landbau ein Verlust von (-)86% und im biologischen Landbau ein Verlust von (-)67%, bezogen auf eine Naturfläche mit dem Wert 100. Legt man den Betrag jedoch bezogen auf die Produktion dar, stellt man ein vollkommen anderes Bild fest. Betrachtet man den Verlust an Biodiversität bezogen auf die PRODUKTION so ergibt sich im konventionellen Landbau ein Verlust von (-)43% und im biologischen Landbau ein Verlust von (-)67%, bezogen auf eine Naturfläche mit dem Wert 100. Der Link zur Studie: https://www.iva.de/sites/default/files/pdfs/studie_pflanzenschutz_in_de…
Der geringste Verlust an Biodiversität kann demnach am besten, durch den in Südtirol praktizierten, integrierten Landbau, gewährlistet werden.

Fr., 30.11.2018 - 09:43 Permalink
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rotaderga Fr., 30.11.2018 - 13:09

Antwort auf von Karl Maier

Erklärend zu dem Beitrag von Karl Maier muss angeführt werden dass es sich beim Link um IVA, also Industrieverband Agrar Deutschland, und das pdf Dokument selbst von hffa research stammt.
Zu den Kunden von hffa research zählen unter vielen Anderen auch Bayer und Syngenta.

Der Verlust an Biodiversität im konventionellem- und bio-Anbau sollte nicht mit der Veröffentlichung dieser Zahlen abgetan sein.
Herr Maier nur Mut, sagen Sie uns wie es weiter gehen soll? Oder sprechen sie nur für eine bestimmte Richtung?

Fr., 30.11.2018 - 13:09 Permalink
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Karl Maier Fr., 30.11.2018 - 17:03

Antwort auf von rotaderga

Sehr geehrter Herr ROTADERGA,
ich danke Ihnen, dass Sie den werten Lesern die Provenienz meiner Quellen erklärt haben. Zudem steht das hffa in enger Zusammenarbeit mit der Universität Göttingen und weiteren wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen.
Ich komme jedoch nicht umhin Sie zu bitten, auch inhaltliche Anmerkungen von sich zu geben und auf eventuelle Mängel der Studie aufmerksam zu machen, die tiefer reichen als irgendwelche Formalitäten.
Ich danke des Weiteren auch für Ihre Fragen. Ich kann Sie beruhigen ich spreche für keine Richtung und erhalte auch kein Geld für das Verfassen von Kommentaren. Ich kann Ihnen auch leider nicht sagen, wie es weiter gehen soll, da ich nicht ganz verstehe worauf dies hinauslaufen soll. Ich habe das Wissen, ebenso wenig wie Sie, mit dem Goldlöffelchen eingeflößt bekommen. Wenn Sie einen Vorschlag haben, so seien Sie frei diesen kund zu tun.

Mit freundlichen Grüßen
Karl Maier

Fr., 30.11.2018 - 17:03 Permalink
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Karl Maier Fr., 30.11.2018 - 16:50

Antwort auf von Martin Daniel

Sehr geehrter Herr Daniel,
die oben gennannte Zahlen sind so zu verstehen, dass wir das zu Verfügung stehen ackerfähige Land im Optimum zwischen Biodiversität und Ertrag bearbeiten sollen. Dadurch können wir Land einsparen bzw. müssen nicht weiter Wälder, wie etwa den Amazonas roden. Ich erkenne die Vorzüge einer extensiven Produktion für gewisse Gebiete durchaus an, jedoch müssen die Folgen auf globaler Ebene betrachtet werden. In Südtirol oder Europa alles zu Extensivieren um etwaige negative externe Effekte nicht mehr betrachten zu müssen, nütz niemanden. Diese negativen externen Effekte werden einfach nur in Länder des globalen Südens verlagert, also externalisiert. Kleiner Literaturtipp: Imperiale Lebensweise ¬– zur Ausbeutung von Mensch und Natur im globalen Kapitalismus. Autoren: Ulrich Brand und Markus Wissen.

Mit freundlichen Grüßen
Karl Maier

Fr., 30.11.2018 - 16:50 Permalink
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Profil für Benutzer Hannes Wohlgemuth
Hannes Wohlgemuth Fr., 30.11.2018 - 18:46

Vielleicht sollte man auch in Betracht ziehen, dass die alljährliche Bekämpfung des Kieferprozessionsspinners am Vinschger Sonnenberg ihren Beitrag leistet? An diesen Stellen braucht man nicht einmal Verwehungen oder Abdrift miteinberechnen

Fr., 30.11.2018 - 18:46 Permalink
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Stereo Typ Fr., 30.11.2018 - 19:35

Man vergleiche, wie kompliziert sich @Karl Maier ausdrücken muss, um etwas Augenscheinliches in Abrede zu stellen, und wie ernsthaft, authentisch und nachdenklich ein Gerhard Tarmann argumentiert.

Fr., 30.11.2018 - 19:35 Permalink
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Peter Gasser Sa., 01.12.2018 - 01:12

... ist es anderes, wenn der Leser/Schreiber auf Urlaubsreisen mit dem Flugzeug die Luft verpestet, wenn der Leser/Schreiben durch billige Wärme, billiges Essen und fast kostenlose Kleidung Umwelt, Wälder und Menschen in Brasilien, Indonesien und anderen Dritteweltländern verseucht?
Warum immer nur der Bauer? Weil er hier vor Ort sichtbar ist?
Das Meiste an Lebensmitteln und Kleidung, an Wärme und Mobilität, das jeder von uns konsumiert, wird umweltschädlicher erzeugt, als der Südtiroler Apfel.
Für den PC, den jeder Leser/Schreiber hier benutzt und für das 2-Euro-T-Shirt, das sie tragen, leiden weit mehr Menschen und Natur, als für den Apfel, den Sie sich nicht mehr wollen?

Sa., 01.12.2018 - 01:12 Permalink
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Peter Gasser Mo., 03.12.2018 - 11:32

Antwort auf von Martin Daniel

Bitte missverstehen Sie meinen Beitrag nicht.
Was wollte ich ausdrücken?
Dass der Obstbauer nicht ein extremer Sünder und Umweltverbrecher ist, sondern dass er sich analog zu unserer und auch Ihrer Lebensweise verhält. Sie verlangen von diesem, dass er Einschränkungen auf sich nimmt und sich abstempeln lässt, leben aber genauso wie er, genauso unökologisch, wenig nachhaltig und halten sich, genauso wie jeder Gutsituierte in unserer Welt „etwa 20 Sklaven weltweit verstreut“.
Aber den Südtiroler Obstbauern, und diesen allein, trifft Ihr Zorn.
Diese Scheinheiligkeit aufzuzeigen war mein Anliegen.
ALLE billigen Lebens- und Konsummittel werden so erzeugt, Tabak, Tee, Parfum, Blumen (Rosen aus Ecuador), Bananen, Fleisch, Kleidung, Treibstoffe, alles... und alles konsumieren Sie, weil es SO eben billig ist.
Und um sein eigenes Gewissen zu beruhigen, ja, da haut man dann halt auf den hauseigenen Bauern drauf...

Mo., 03.12.2018 - 11:32 Permalink
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Profil für Benutzer Gerhard Tarmann-14735
Gerhard Tarman… Mo., 03.12.2018 - 11:24

Sehr geehrte Herren Karl Maier und Günther Mayr,
ich danke Ihnen für Ihre Kritik und darf als Autor der Studie zu Ihren Bemerkungen kurz Stellung nehmen.
1. Das Interview wurde von mir telefonisch am Handy gegeben (im Freien und bei Verkehrslärm) und ich bin erstaunt, wie es Frau Gasser trotzdem gelang, meine Antworten fast wörtlich wiederzugeben.
2. Jahrelange empirische Beobachtungen vor Ort und die akribische Dokumentation des Beobachteten, verbunden mit dem Vergleich historischer Daten ist für mich Wissenschaft.
3. Im konkreten Fall kann nach Auswertung aller Daten als Ursache für den Rückgang bzw. das Verschwinden von Widderchen in den unteren Bereichen der Vinschger Leiten und Sonnenhänge von Partschins bis Mals nur Luftkontamination in Frage kommen. Es sind dies Habitate, wo die Struktur der Hänge und die Vegetation alle Voraussetzungen für ein reichhaltiges Vorkommen von „Widderchen“ (den echten Widderchen aus der Schmetterlingsfamilie der Zygaenidae!!!) hätten.
4. Jeder, der diese Hänge an einem Schönwettertag in Sommer begeht, bemerkt sofort den starken Aufwind aus dem Tal, der sich hier, wie in allen Gebirgstälern der Welt, an steilen, sonnenbeschienen Hängen, einstellt. Der Geruch von chemischen Substanzen ist ebenfalls für jeden, der einen einigermaßen ausgeprägten Geruchsinn hat, leicht festzustellen.
5. Je höher man geht, desto geringer wird der Geruch. Ab einer gewissen Höhe (in Naturns etwa 400-500 Meter über der Talsohle, in Laas 300-400, in Mals ca. 150-200) ist kein Geruch mehr festzustellen (zumindest nicht für mich). Die Zygaenidae verhalten sich sehr schön parallel zur Intensität dieses Geruches. Sie fehlen in den unteren Lagen und beginnen in höheren Lagen zuerst einzeln und dann häufiger aufzutreten.
6. Nach allen Beobachtungen der letzten 25 Jahre kann ich keinen anderen Grund für das Fehlen von Zygaeniden auf diesen Hängen finden, als Luftkontamination durch Chemikalien aus dem Intensivobstbau im Tal.
7. In Mals habe ich in den Jahren 2016-2018 ein Transektversuche am Felssteppenhang westlich des Ortsteils Mals/Laatsch durchgeführt, die zeigen, dass an diesem Hang, der in den 1970er und 1980er Jahren äußerst reichhaltig an Zygaeniden war und auch noch 2007 zahlreiche Tiere enthielt, heute in der unteren Hälfte Zygaeniden nur mehr ganz einzeln vorkommen oder fehlen und erst ca. 350 Meter über der Talsohle am Eselweg, der frühere Normalzustand mit reichhaltiger Zygaenidenfauna heute noch beobachtet werden kann.
8. Erst in den letzten 10-15 Jahren haben sich die Obstplantagen im Tal hier nach Westen hin ausgebreitet. Der Zusammenhang ist offensichtlich.
9. Natürlich kann man derzeit noch keiner genauen Substanz den „Schwarzen Peter“ zuschieben und diese für das Beobachtete alleine verantwortlich machen. Das war und ist auch nicht meine Aufgabe. Ich beobachte und registriere das, was sich vor Ort zum Zeitpunkt der Beobachtung abspielt. Mals hat jedenfalls mit dieser Studie ein gutes Instrument in der Hand, um Veränderungen in der Biodiversität von Zygaeniden in Zukunft feststellen zu können. Konsequenzen aus diesen Ergebnissen sind auf politischer Ebene zu diskutieren. Es liegt mir fern, den Südtirolern „kluge Ratschläge“ zu geben. Ich stelle nur Tatsachen fest.
10. Noch ein Wort zu den immer wieder beobachteten „Widderchen“ nahe von Obstplantagen. Hier handelt es sich um das sogenannte „Weißfleck-Widderchen“ (Amata phegea), das dummerweise auf Deutsch diesen Namen hat, aber keine Zygaenidae (also kein echtes Widderchen) ist. Diese Art gehört zur Familie der Arctiidae (Bärenspinner), hat eine polyphage Raupe (ist also nicht an ganz spezielle Raupenfutterpflanzen gebunden) und ist überhaupt nicht empfindlich gegen Luftkontamination. Daher kommt es in allen niedrigeren Lagen Südtirols bis etwa 1450 Meter Seehöhe regelmäßig vor. Es gibt einen Doppelgänger bei den Zygaeniden, das Veränderliche-Widderchen (Zygaena ephialtes), das heute in Südtirol in guten Populationen nur mehr im Obervinschgau und im Sterzinger Becken gefunden werden kann und eine der gefährdetsten Arten Südtirols ist.
Schade, dass die beiden Herren nicht in Mals dabei sein konnten. Im Vortag habe ich natürlich mehr Information geben können und wir hätten das alles persönlich bei der Diskussion dort in Ruhe besprechen können.

Mo., 03.12.2018 - 11:24 Permalink
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Profil für Benutzer Peter Gasser
Peter Gasser Mo., 03.12.2018 - 11:38

Antwort auf von Gerhard Tarman…

Natürlich ist Ihre Arbeit wertvoll, und kann nicht genügend betont werden.
Als ich vor bald 30 Jahren mit dem Auto zum Studium nach Wien gefahren bin, musste ich ab und an die Windschutzscheibe von zerplatzten Insekten reinigen, sie wurde mit der Zeit ganz voll davon. Letzthin bin ich über die Autobahn von Bozen nach Linz gefahren: auf der Scheibe KEIN EINZIGES „erwischtes“ Insekt!
Wer das nicht sieht, muss blind sein.
Und auch: im Sommer im abgeschiedenen Matschertal, ganz hinten drin: überall wunderschöne Widderchen. Dort, in unbelasteter Natur, sind sie also noch.
Finden sie jemanden, der Ihre Arbeit fortführt. Zu unserer aller Wohl.

Mo., 03.12.2018 - 11:38 Permalink
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Profil für Benutzer Günther Mayr
Günther Mayr Di., 04.12.2018 - 07:53

Antwort auf von Gerhard Tarman…

Ihre Arbeit ist interessant und faszinierend, nicht nur für Ihr Klientel!
Ihre Schlußfolgerungen und Ursachenzuweisungen betreffend „Kontaminationen“ aus dem Obstbau erscheinen mir vereinfacht und tendentiös.
Sie haben recht: Beim Pflanzenschutz geht es auch um viel Geld. Aber es ist nicht nur das Geld von Konzernen, es ist auch das Geld das erst durch Ernten generiert werden kann und ebenso in lokale Kreisläufe fließt wie das Milchgeld des Viehbauern und die Renten der Tanten. Den Sinn des Pflanzenschutzes am Beispiel der Roßkastanien in Wien fest zumachen, halte ich für fahrlässig!

Haben Sie früher mit Insegar und Dimilin die Hauptschuldigen ausgemacht, wie heißen sie heute (da mind. 20 Jahre nicht mehr im Einsatz und ersetzt durch die Verwirrungsmethode)?

Die Spritztechnik im IP aufgrund Einsatz von Injektordüsen hat sich (Gott sei Dank) wesentlich geändert: Die Abdriftwolke nach oben ist zum Teil verschwunden, zumindest wesentlich reduziert worden (Verbesserung ist noch längst nicht abgeschlossen). Zudem sind sämtliche Spritzungen außerhalb des Bienenfluges/Thermik empfohlen.
(Ausnahme im bio: Pyretrine bei min. 15°C, somit meist nachmittags, Thermik.)

Wo eine Änderung der landw. Bewirtschaftung stattfindet, ändert sich zwangsläufig auch der Lebensraum: Wo der Obstbau sich ausdehnte, ging die Viehwirtschaft dementsprechend zurück. Damit verbunden natürlich auch die Beweidung von Auen, Weiden , Leiten und Wäldern. Demzufolge ändert sich dort auch die spezielle Flora, welche Vorraussetzung für die Entwicklung spezifischer Insekten ist.

Was ist mit den Neophyten, welche sich gerade auch in den „Problemzonen“ breitgemacht haben?
Sie gefährden teilweise auch unsere Bienen.

Der Verkehr hat nicht nur zugenommen, er hat sich vervielfacht.

Di., 04.12.2018 - 07:53 Permalink
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Profil für Benutzer Gerhard Tarmann-14735
Gerhard Tarman… Do., 06.12.2018 - 18:08

Es ist mir völlig bewusst, dass der beachtliche Rückgang an Insekten, an Schmetterlingen und damit auch an Widderchen (Zygaenidae) in den vergangenen Jahrzehnten in den Alpen und anderen Gebieten Europas in komplizierten, multifaktoriellen Ursachen zu suchen ist. Eine der Hauptursachen ist sicherlich der Lebensraumverlust generell durch intensive Bautätigkeit, große Strukturänderungen in der Landschaft und Bewirtschaftungsänderungen mit Steigerung der Bewirtschaftungsintensität. Meine Beobachtungen an den unteren Hanglagen im Vinschgau an Widderchen zeigen allerdings, dass trotz aller Bemühungen, den Pflanzenschutz zu optimieren (z. B. Anwendung der von Ihnen angesprochenen Verwirrungsmethode), eine sichtbare Verbesserung der Situation gegenüber den früheren Untersuchungen bei dieser Schmetterlingsfamilie derzeit nicht beobachtet werden kann. Es sollte hier also noch viel verbessert werden. Dass diese Tiere neue Lebensräume rasch besiedeln, sieht man an der Calvaschleife (neue S-Kurve an der Straße Glurns-Taufers). Dort wurde vor wenigen Jahren gebaut und die Gegend verändert. Ein neu aufgeschütteter Erdwall am oberen Ende der S-Schleife der Straße war bereits nach wenigen Jahren von sechs Widderchenarten besiedelt. Man kann dort Kontamination der Luft mit für diese Tiere nicht verträglichen Schadstoffen weitgehend ausschließen. Die immer noch botanisch schönen Hänge in Mals jedoch (z. B. der Tartscher Bichl im unteren, nicht beweideten Bereich zwischen der Bahn und dem Holzzaun an der oberen Hangkante), die noch dazu gute Lebensräume für so manche weniger empfindliche Schmetterlingsart sind, sind heute immer noch frei von Widderchen.
Natürlich habe ich auch immer an den stark zunehmenden Verkehr gedacht. Hinweise auf auffällige Wirkung auf nahe Lebensräume konnte ich aber bisher nicht finden (z.B. an den widderchenreichen Hängen bei der Burg Sprechenstein bei Sterzing mit enormem Verkehr in Tal darunter).

Do., 06.12.2018 - 18:08 Permalink

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